Schule der Zukunft

wird aus Mut gemacht 

 

Es besteht die Notwendigkeit die Mittelschule, im Zuge des Schulautonomiepaketes, neu zu überdenken.

Die Basisannahme kann nur jene sein, dass es gilt, allen Kindern und Jugendlichen in diesem Land die gleichen Chancen auf die beste Bildung zu ermöglichen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihres kulturellen Hintergrundes und ihrer persönlichen Interessen.

Schüler/innen benötigen einerseits Raum, um sich individuell entwickeln zu können, und andererseits klare Zielvorgaben, die es zu erreichen gilt. Meiner Meinung nach ist ein wesentlicher Motor einer vernünftigen Schulentwicklung, das Paradoxe zusammenzuführen oder besser, einen dialektischen Denkansatz zu finden.

Das Autonomiepaket bietet die Möglichkeit, pädagogische, organisatorische und personelle Freiräume für die verschiedenen Standorte neu zu entwickeln und verschiedene pädagogische Denkansätze miteinander sinnvoll zu verbinden. Im Zuge der Schulautonomie können wir somit nicht nur den Unterricht gestalten, sondern auch die regionale Entwicklung maßgeblich beeinflussen.

>> schulische Situation versus regionale Gegebenheiten

Schule der Zukunft

Hier sind die wichtigsten Fragen zum Thema „Schule der Zukunft“, die von unserem Direktor Nikolaus Schermann wie folgt beantwortet wurden.

OSR. DIR. NMS Mag. Nikolaus Schermann
Direktor an der EMS Oberwart/Burgenland

Was braucht es, um Schule autonom entwickeln zu können?

Es bedarf einer genauen IST-Analyse, die nicht nur die Schule selbst, sondern auch die regionalen Bildungseinrichtungen bzw. wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen darstellt, um diese Bereiche inhaltlich und schulautonom zu besetzen.

Ein wesentlicher Faktor in unserer Analyse zeigt auf, dass es in unserer Region einen signifikanten Facharbeitermangel gibt. Dieser hat sich vor allem durch eine massive Stärkung der AHS bzw. durch die fehlende oder mangelhafte Berufsorientierungsbegleitung in den Mittelschulen herauskristallisiert. Die burgenländische Wirtschaft klagt, weil sie zu wenige, gut vorbereitete Lehrlinge für ihre Betriebe akkreditieren kann.

Diese Entwicklung sehen wir gleichsam als Chance, um mit unserem professionellen BO-Konzept, gemeinsam mit der betroffenen Wirtschaft, entgegenzuwirken. Da die praktische Kompetenz in Hinblick auf die Berufsorientierung nur teilweise im Lehrkörper gegeben ist, bedarf es der Kooperation mit den regionalen Professionisten.

In der Erstkonzeption haben wir uns an der Pilotschule in Oberwart für das Berufsförderungsinstitut – BFI, AMS, AK und die Industriellenvereinigung –IV als Partner entschieden.

Schulautonomie benötigt Öffnung, Schaffung von Synergien, Vertrauen in die Kooperationspartner und in die Kollegen/innen am Standort.

>> Interne Experten versus externe Experten

In welchen Bereichen ist die ems Oberwart bereits jetzt schon autonom?

Die Stundentafel wurde im September 2018 derart überarbeitet, dass es vor allem in den Hauptfächern (D, E, M) einen größeren Gestaltungsspielraum gibt.

So sind in Deutsch und Mathematik jeweils sechs Stunden geplant, die wiederum individuell gestaltet werden können. In Deutsch gibt es eine „Audimax“- Stunde, eine „Lesestunde“, zwei Stunden für individuelle „Lernwerkstätten“, eine Förderstunde („expert“ oder „support“) und eine „Digikomp“-Stunde.

Das Prinzip ist denkbar einfach. In der Audimax-Stunde wird eine große Gruppe an Lernern (derselben Schulstufe) in der Aula frontal unterrichtet.

Die vorgetragenen Lehrinhalte werden in den Lernwerkstätten durch Planarbeit und intensives Lehrercoaching vertieft.

Die digitalen Kompetenzen orientieren sich wöchentlich in jedem Hauptfach an den aktuellen Themen.

Abgerundet wird das Paket durch einen Förderkurs, in dem exzellente Fähigkeiten gefordert bzw. schwächere Leistungen gefördert werden.

>> Frontalunterricht versus Lernwerkstätten

Im Vordergrund stehen die Grundkompetenzen (BIST) in den Bereichen Schreiben, Lesen und Rechnen.

An der EMS Oberwart sind dies Wohlfühlen und Leistung. Zielgerichtete, detaillierte Planungen und Testreihen werden mehr oder weniger entspannt in ein bewusst erzeugtes Wohlfühlklima gestellt.

>> Wohlfühlen versus Leistung

Wodurch entstand Handlungsbedarf?

Handlungsbedarf entstand vor allem darin, dass wir den Facharbeitermangel erkannt haben, aber auch die Rückmeldungen der weiterführenden Schulen waren nicht immer positiv.

Deshalb holten wir die weiterführenden Schulen ins Boot und suchten die engere Zusammenarbeit mit der BAfEP Oberwart, der HAK Oberwart, der HBLA Oberwart, der Polytechnischen Schule Oberwart und der Berufsschule Oberwart. Es sollten positive Synergieeffekte erzielt werden.

Die größten Vorteile, betreffend der Gestaltung der Region, stellen die nahtlosen Bildungsübergänge der Schüler/innen dar.

Mit der Schulautonomie sollen Freiräume im Unterricht eröffnet werden, die es den kooperierenden Schulen vor Ort ermöglichen, die Schüler/innen auf das Berufsleben vorzubereiten. In der 1. und 2. Klasse haben die Schüler/innen jeweils eine BO-Stunde, die von den jeweiligen Schulen so organisiert wird, dass in ca. 10 Unterrichtseinheiten zielorientiert gearbeitet wird. Ab der 3. Klasse haben die Kooperationspartner/innen die Möglichkeit, die Schüler/innen an ihrem Bildungsstandort drei Stunden zu unterrichten.

>> Mittelschule versus weiterführende Schulen bzw. Wirtschaft

Was waren Stolpersteine?

Es gab keine Stolpersteine.

Was war förderlich?

Förderlich ist das freundschaftliche Verhältnis zu den weiterführenden Schulen bzw. zu den Kooperationspartnern und das Bewusstsein der Wirtschaft, dass Handlungsbedarf betreffend Facharbeitermangel definitiv gegeben ist.

Was ist der Grundgedanke bzw. Motor der Schulentwicklung an der ems Oberwart?

Die Grundlage unserer Schulentwicklung ist, dass scheinbare Gegensätze zu einer sinnvollen Einheit verschmelzen (Leistung und Wohlfühlen, Frontalunterricht versus Lernwerkstätten, Digitalisierung versus Ökologisierung, Mittelschule versus weiterführende Schulen, interne Experten versus externe Experten, …).

Der Motor dieses Prozesses ist der Dialog mit allen Betroffenen (Eltern, Schülern, Lehrern, Kooperationspartnern, Wirtschaftspartnern, …). Vor allem der Lehrer/die Lehrerin ist die Hauptantriebskraft in diesem Prozess. An unserer Schule haben wir dafür die sogenannten Direktor-Lehrer-Gespräche (DLG) eingeführt, die mit den KEL-Gesprächen vergleichbar sind. DLG versus KEL-Gespräch.
Dem zweiten KEL-Gespräch kommt eine wesentliche Bedeutung zu, denn bei diesem Gespräch werden die Kinder durch die Kooperationspartner über ihre Begabungen informiert.

Dafür wird bei „Skooly“ eine dementsprechende Rückmeldeschiene aufgebaut, die den Dialog sinnvoll verkürzen soll und trotzdem kommt der Heranwachsende zur Rückmeldung aller relevanten Kooperationspartner.

So sollte die richtige Schul- und Berufswahl sichergestellt werden.

>> KEL-Gespräche versus digitale Rückmeldung  BIST versus Begabungen

Die Schulleitung ist überzeugt davon, dass es Mut bedarf, schulautonome Entwicklungsprozesse anzudenken, zu diskutieren und letztendlich umzusetzen. Dies kann jedoch nur gelingen, indem uns bewusst wird, dass scheinbare Widersprüchlichkeiten tatsächlich keine sind, sondern eine Chance darstellen.

SCHÜLER

zusätzliche NAchmittags-angebote

Jahre Schule ems Oberwart

Mittagessen am Dienstag

ems OBERWART

Schule der Zukunft
7400 Oberwart, Schulgasse 29
nms.oberwart@bildungsserver.com

Sekretariat:
Mo - Fr: 7:00 - 13:00 Uhr
Telefon: 03352 / 38185

Basisannahme der Schule EMS Oberwart

Die Schule EMS Oberwart ist eine der größten Pflichtschulen im Burgenland und wird mit 16 Klassen bzw. 6 Nachmittagsgruppen geführt. Seit 15 Jahren arbeiten wir am Schulversuch Europäische Mittelschule, der von folgender Basisannahme ausgeht:
Der Einzugsbereich um Oberwart ist ein Gebiet der kulturellen Vielfalt. Die Lage als historisches Grenzland hat im Burgenland zu einer besonderen ethnischen und sprachlichen wie auch religiösen Vielfalt geführt. Jahrzehnte hindurch war diese Pluralität einem starken Assimilierungs- und Ausgleichungsdruck ausgesetzt, sodass heute oft nur mehr folkloristische Versatzstücke eines einzigartigen kulturellen Reichtums übrig geblieben sind. Erst in jüngerer Zeit mehren sich die Aktivitäten, die darauf abzielen, den Volksgruppen (Kroaten, Ungarn und Roma) ihren Platz im gesellschaftlichen und politischen Leben des Landes zu sichern. Der Schul-Standort Oberwart erkennt seit Jahren diese ethnische und sprachliche Vielfalt des Bezirkes als enormes Potential, als einen Mikrokosmos, in dem ein vereinigtes Europa bereits seit Jahrhunderten mehr oder weniger friedvoll gelebt wird. Die Grundannahme der Schule beruht auf der bereits gelebten Vielfalt in all ihren Facetten, die als Identitätsfindung und Orientierung in der Europäischen Union dienen soll. Daher muss das bereits gegebene Potential um typische europäische Grundannahmen erweitert werden. Die Synthese daraus erleichtert den Heranwachsenden ein Zurechtfinden in einer globalisierten Umgebung.